2010-12-03, 03:30pm Roger NeiningerAm dritten Tag erwartete mich zuerst ein Gespräch mit eine 16-jährigen Burschen, der sich wiederholt auf der Tagesabteilung zu einem Untersuch einfand. Zusammen mit der zuständigen Lehrperson führten wir nach gutem Briefing über die spezielle Situation dieses physisch behinderten Patienten das Gespräch über seine mögliche IV-Lehrstelle und ...More
Am dritten Tag erwartete mich zuerst ein Gespräch mit eine 16-jährigen Burschen, der sich wiederholt auf der Tagesabteilung zu einem Untersuch einfand. Zusammen mit der zuständigen Lehrperson führten wir nach gutem Briefing über die spezielle Situation dieses physisch behinderten Patienten das Gespräch über seine mögliche IV-Lehrstelle und wägten zusammen mit ihm die Vor- und Nachteile der einen oder anderen Alternative ab. Er war sehr engagiert und ich glaube, dass wir ihn bei seiner Entscheidungsfindung gut unterstützten.
Ein weiterer Deko-Einsatz sowie eine unvergessliche Schul- und Spielstunde mit einem aufgeweckten und fröhlichen Erstklässler, der sich bereits im Alter von drei Jahren einer Chemotherapie unterziehen musste und leider mit einer ernsthaften Diagnose wieder im Kispi aufhielt führten mich dann am Nachmittag zu einem „Nephro“-Nachmittag, wo ich im Rahmen einer Informationsveranstaltung für Lehrpersonal mit nierenkranken Kindern viel über diese Krankheit und deren Auswirkungen sowie Behandlungsmethoden gelernt habe. Dies war dann auch der Abschluss meiner vorläufig dreitätigen Erfahrung, die eigentlich für eine ganze Woche vorgesehen war. Frau Trechslin führte mit mir ein Abschlussgespräch und überreichte mir als Geschenk ein Buch über die Kispi Erfahrungen ihrer Vorgängerin; ein Buch, das ich seither fast schon vollständig gelesen habe; ich verstehe die darin geschilderten Schicksale und Begebenheiten nun aus eigener Erfahrung, die ich als sehr wertvoll erleben durfte. Ich habe mich für den 13. Dezember 2010 nochmals einen ganzen Tag zur Verfügung gestellt und hoffe, dann meine jungen Patienten nochmals betreuen zu dürfen.
2010-12-03, 03:29pm Roger NeiningerDer KISPI legt auch Wert auf die weihnächtliche Stimmung: hier durfte ich mithelfen, indem ich meinen zweiten Arbeitstag mit dem Aufhängen von Weihnachtsdekoration begann, bevor ich dann mit einigen der Kinder, die ich bereits kannte, an den Themen und Spielen des Vortages anschliessen durfte. Leider viel auch an diesem Tag eine Lektion aus, dies ...More
Der KISPI legt auch Wert auf die weihnächtliche Stimmung: hier durfte ich mithelfen, indem ich meinen zweiten Arbeitstag mit dem Aufhängen von Weihnachtsdekoration begann, bevor ich dann mit einigen der Kinder, die ich bereits kannte, an den Themen und Spielen des Vortages anschliessen durfte. Leider viel auch an diesem Tag eine Lektion aus, diesmal war der Patient unverhofft in einem längeren Untersuch eingebunden, sodass ich als Ersatzprogramm mit einer elektrischen Laubsäge einen Mond sowie einen Stern ausschnitt; das gelang mir so halb auch nur deshalb, weil ich am Vortag vom Werklehrer ins „Laubsägele“ eingearbeitet wurde. Man konnte die Formen jedenfalls erkennen…
Gegen Abend wurde mir die Abteilung „KMT“ vorgestellt und erklärt. Dort werden die Kinder betreut, deren Immunsystem derart geschwächt ist, dass sie sich in einer strikt keimfreien Umgebung aufhalten müssen. Diese Räume sind kleinere, mit Unterdruck versehenen Glaszellen, zu denen selbstverständlich nur sehr eingeschränkt Zutritt möglich ist, und das unter strengsten hygienischen Voraussetzungen. Es ist eindrücklich, wie die Eltern dieser Kinder von der Spitalschule unterstützt werden, indem sie geschult werden, wie sie die Zeit mit ihren Kindern sinnvoll und möglichst abwechslungsreich gestalten können.
2010-12-03, 02:48pm Growth GeneratorVom 22. bis 24. November 2010 durfte ich in der Patientenschule des Kinderspitals Zürich einen ersten Einblick in dessen Alltag nehmen und dabei tiefgehende und bleibende Eindrücke gewinnen. Am Montag um 09.00 Uhr wurde ich von Frau Barbara Trechslin, Schulleiterin, am Empfang abgeholt und sodann dem Lehrerteam vorgestellt. Schon in den ersten Mi ...More
Vom 22. bis 24. November 2010 durfte ich in der Patientenschule des Kinderspitals Zürich einen ersten Einblick in dessen Alltag nehmen und dabei tiefgehende und bleibende Eindrücke gewinnen. Am Montag um 09.00 Uhr wurde ich von Frau Barbara Trechslin, Schulleiterin, am Empfang abgeholt und sodann dem Lehrerteam vorgestellt. Schon in den ersten Minuten fühlte ich mich aufgenommen und willkommen. Dies freute mich riesig, denn im Vorfeld hatte ich Bedenken, den Tagesablauf der Schule durch meine Anwesenheit und Unwissenheit zu sehr zu stören.
Mein Tagesplan war denn auch schon sehr gut vorbereitet. Es gab zuerst eine Vorstellungsrunde gefolgt von einem Rundgang durch das Kinderspital. Das Spital ist extrem verwinkelt und liess mich vorerst eher an ein Labyrinth erinnern. Einige Winkel kamen mir bekannt vor, denn das eine oder andere Mal war ich schon selber mit meinen Söhnen da. Für meinen ersten Einsatz wurde ich dann gut in die Geschichte meiner kleinen Schülerin eingeführt; sie ist auf der Abteilung für brandverletzte Kinder und schon seit mehreren Monaten im KISPI. Eine „Lektion“ dauert zwischen dreiviertel und einer Stunde, je nachdem wie die Patienten in der Lage sind, sich mit Schulstoff oder Spielen zu befassen. Frau Trechslin brachte mich also zum Zimmer und stellte mich kurz dem Vater und der kleinen Dame vor. Da flog mir auch schon ein Ballon entgegen, den ich zurückspitzelte – der Funken war gesprungen und die „Arbeit“ konnte beginnen. Wir spielten UNO sowie andere Spiele und testeten gegenseitig unsere Englischkenntnisse, indem wir z.B. die verschiedenen Farben und Zahlen benannten. Die Stunde war rasch vorüber und ich wollte zu meinem nächsten Einsatz. Wie das aber leider an der Tagesordnung ist, konnte ich diesen nicht wie noch vor zwei Stunden geplant antreten. Dem Kind ging es sehr schlecht, und es war nicht mehr in der Lage, zu spielen geschweige denn einen Schulunterricht aufzunehmen. Das Schicksal dieses kleinen Jungen und die aktuellen, tiefgreifenden Entscheidungen der Ärzte und Eltern haben mich sehr berührt.
Nach dem Mittagessen in der Kantine stand der Gruppenunterricht im Lehrerzimmer an: auch diese Lektionen werden minutiös vorbereitet und das Schulmaterial sorgfältig auf den Wissensstand des Kindes ausgerichtet parat gemacht. Ich habe mich kurz in den Englischstoff eingelesen und mir die Vorgehensweise zurecht gelegt. Meine Patientin stammt aus dem arabischen Sprachraum und hatte schon ein recht gutes Verständnis der Englischen Sprache. Wir gingen durch die Arbeitsblätter und benannten die Körperteile eines Affen, beschrieben Pflanzen und setzen eine Bildergeschichte zusammen. Natürlich fragte ich auch, was es denn für Blumen und Tiere in ihrem Heimatland hatte, worauf die Kleine richtig aufblühte und sie sich sichtlich über mein Interesse freute.
Um ca. 15.00 Uhr stand dann ein Zimmerbesuch auf der onkologischen Abteilung an. Herr M, der Werklehrer der Patientinnenschule, führte mich sehr sorgfältig in die Hygyienevorschriften ein und erklärte mir das genaue Vorgehen. Ich war etwas angespannt, denn es wartete ein schwerkranker, 18-jähriger Teenager auf mich. Aufgrund vorheriger Abklärungen war nicht klar, ob er tatsächlich eine Lektion annehmen wird. Trotzdem stellten wir ein Modell eines Otto-Motors bereit und kopierten aus Wikipedia eine Beschreibung dessen Funktionsweise. Nach dem Abschluss des Hygieneprozedere traten wir in das leicht abgedunkelte Zimmer ein und zogen die Schürzen an. Herr M erkundigte sich sehr einfühlsam über das Wohlbefinden und entschied dann, das Modell vorzuführen. Schon sehr bald erkannten wir, dass heute eine stündige Lektion nicht richtig wäre und liessen dann Funktionsbeschreibung zu gelegentlichen Studium zurück.
Meine letzte Station für diesen ersten Tag war die Einführung von Frau K in den Onkologie-Rapport, an dem ich in der Folge teilnehmen durfte. Spätestens dann erkannte ich, wie sorgfältig und aufmerksam ich in den Alltag dieses Lehrerteams eingeführt wurde. Der Umstand, dass ich an diesem Rapport teilnehmen durfte, zeigte, dass mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Ich war denn auch tief beeindruckt von den präzisen und dennoch weit über das Krankheitsbild hinausgehenden Informationsaustausch zwischen dem verantwortlichen Professor, seinem Ärzteteam, den PflegerInnen, Therapeuten, Lehrerinnen und Sozialbetreuern. Dieser Rapport bestärkte mich in meinen guten Gefühlen über die ausgezeichnete Pflege und Betreuung der Kinder; ich glaubte aber auch Grenzen des ärztlichen Wissens sowie der klaren Voraussage und die Akzeptanz des Schicksals gespürt zu haben.
Mein erster Arbeitstag hätte ich mir beeindruckender und interessanter nicht vorstellen können. Auf dem Nachhauseweg war ich glücklich und traurig zugleich...
2010-07-06, 09:50am Growth GeneratorAm Samstag, dem 26.6., durfte ich zum ersten Mal am Kinderfest im Kispi als Helfer mitwirken.
Nach einer prägnanten, schon fast ein wenig „militärischen“ Besprechung unter den Mitwirkenden und dem Erhalt des Bratwurst -und Getränkebons sowie einem Notfallzettel mit den wichtigsten Telefonnummern, ging’s sofort los. Meine Fra ...More
Am Samstag, dem 26.6., durfte ich zum ersten Mal am Kinderfest im Kispi als Helfer mitwirken.
Nach einer prägnanten, schon fast ein wenig „militärischen“ Besprechung unter den Mitwirkenden und dem Erhalt des Bratwurst -und Getränkebons sowie einem Notfallzettel mit den wichtigsten Telefonnummern, ging’s sofort los. Meine Frau und Ihre Gruppe stellten die Tische bereit, während mich eine Mitarbeiterin vom Kispi noch zu einer kurzen Besichtigung der verschiedenen Posten einlud.
Als erste Aufgabe stand „Ballon aufblasen“ auf dem Programm – und zwar nicht nur ein paar, sondern rund 200-300 Stück. Aber zum Glück hatten wir eine Heliumflasche zur Unterstützung. Nachdem wir die ersten 50 Ballone noch von Hand „zuknüpften“ und uns prompt Blasen einfingen, verstanden wir dann das „System“ und konnten so unsere Finger schonen. Die Ballone hingen überall – auch an den vielen Kinderwagen und Rollstühlen.
Dann ging es zum „Disney“-Stand, wo ich den Kindern nach deren erfolgreichem Drehen des „Glückrades“ beim Auswählen der Preise helfen und den Gabentisch mit allerlei Disney-Artikel (vom Video bis zum Abziehbildchen) auffüllen durfte. Die Kinder hatten sooo grosse Augen, und manchmal waren auch die Eltern beim Aussuchen der Preise sehr engagiert! Nun, obwohl der Gabentisch klar nach erreichtem Resultat abgegrenzt war, konnte ich dem einen oder anderen Kind doch nicht ein Geschenkli jenseits der „Grenze“ verwehren; die Überraschung und Freude war denn auch riesig!
In den Zwischenpausen besorgte ich mir zur Stärkung auch mal eine Bratwurst und ein Getränk, bevor ich dann gut zwei Stunden an der Kinderbar für die Bereitstellung der „Früchtespiesse“ eingespannt war. Ich habe in meinem ganzen Leben zusammen nicht so viele Früchte geschält und in Stücke geschnitten wie an diesem Nachmittag. Die Früchtespiesse kamen enorm gut an, und sie wurden uns fast buchstäblich von den Händen gerissen und waren sowohl bei den Kindern wie auch bei den Eltern gleichermassen beliebt.
Gegen 18.00 Uhr fand zum Abschluss des Tages ein kleines Konzert statt. Für mich und meine Frau war dann Feierabend - nach einem intensiven aber durchaus bereichernden und glücklichen Kinderfest! Es war eine tolle Erfahrung und ein gutes Gefühl, so vielen Kindern eine kleine Freude zu bereiten, und ich würde jederzeit wieder mitmachen…doch meine nächste, grosse Herausforderung steht ja noch an – die Patientenschule!